Rückblick 2012 – Teil 2: Everest-Saison

In vergangenen Jahr gab es so viele Tote am Mount Everest wie seit Mt._Everest_from_Gokyo_Ri_November_5,_2012_Cropped1996 nicht mehr, was neben zuerst anhaltend ungünstiger Witterung wohl v.a. daran lag, dass der Andrang am Everest immer mehr zunimmt und dabei der Anteil an völlig unbedarften und unerfahrenen AspirantInnen enorm gestiegen ist. Die FAZ betitelte treffend den „Gipfel der Eitelkeiten“, 14-Achttausender-Sammler Ralf Dujmovits war entsetzt über die „menschliche Schlange“ von 600 „Hobby-Bergsteigern“, der Schweizer Extrembergsteiger Ueli Steck, der den Gipfel ohne zusätzlichen Sauerstoff und als einer der ersten im jenem Mai erreichte, sagte: „das war wirklich krass“.

Das Zeitfenster, das Besteigungen zulässt ist am Everest nur sehr klein, es sind ein paar Wochen im April und im Mai – bevor der Monsun beginnt -, in denen das Wetter dann auch stimmen muss. Das Gedränge war 2012 besonders groß, und lange Wartezeiten an Engstellen hatten wohl ihren Anteil an den hohen Opferzahlen, es kommt dort dann zu regelrechten Verkehrsstaus . In einem Video  kann man die BergsteigerInnen wie an einer Perlenkette aufgereiht, in einer schier endlosen Schlange sehen.
In einem anderen sehr interessanten Interview  im Schweizer Tagesanzeiger, spricht Ueli Steck auch über die anfängliche Auslassung 4 toter Sherpas in den Berichten über die Todesfälle.
Bemerkenswert: ein unterhalb vom Gipfel „Liegengebliebener“ überlebte 4 Nächte in der Todeszone und wollte bei seiner Bergung noch auf den Gipfel. (-> SPIEGEL)

In einem längeren, sehr lesenswerten Artikel mit dem Titel „Der Stau“ befasst sich der SPIEGEL ebenfalls mit den Geschehnissen, den fatalen Staus und den Bergungseinsätzen, dem Drumherum im Basislager, einigen unglaublichen Auswüchsen, z.B. dem New Yorker, der ein Fahrrad auf den Gipfel tragen wollte, einer Armprothese mit eingebautem Eispickel und anderen skurrilen Rekordversuchen.

Auch sehr lesenswert ist Jon Krakauers Buch „In eisige Höhen“. Es legt eindrucksvoll Zeugnis über den Massentourimus am Everest und die katastrophalen Geschehnisse der Expeditionen des Jahres 1996 ab, die denen des Mai 2012 teils erschreckend ähnlich sind, wie auch über die Charaktere, die es auf den Berg hinauftreibt:

»Unglücklicherweise sind gerade jene, die darauf programmiert sind, Schmerzen einfach zu ignorieren und immer weiter gen Gipfel zu steigen, regelmäßig auch darauf programmiert, die Zeichen großer, nahe bevorstehender Gefahren zu übersehen. Dem entspringt ein zentrales Dilemma, in dem sich jeder Everest-Bergsteiger irgendwann befinden wird: Nur wer extrem motiviert ist, kommt durch, aber wer übermotiviert ist, findet möglicherweise den Tod. Darüber hinaus wird in Höhen über 8000 Meter die Trennungslinie zwischen angemessenem Eifer und versessenem Gipfelfieber immer dünner. Kein Wunder also, daß die Flanken des Everest von Leichen übersät sind.«

 

Die Stimmen, die eine Begrenzung der Zahl an Besteigungen des Everest fordern, werden – auch nach den fatalen Ereginissen im vergangenen Mai – immer mehr. Für das wirtschaftlich arme Land Nepal sind die Gebühren, die für eine Besteigung zu entrichten sind allerdings eine immens wichtige Einnahmequelle, weshalb sich wohl auch in Zukunft nichts am Ansturm auf den Everest ändern wird.

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