Sommerloch

Es besteht kein Zweifel: die Welt, dieser blog und wahrscheinlich auch ich selbst, befinden sich im Sommerloch. Hier ist der offizielle Beitrag dazu.

Dieses Jahr für mich eine komische Zeit. Weder Ferien, noch Studium, noch Arbeit. Und es ist für mich selbst ein wenig erschreckend: Froh, wenigstens meinen wordpress-Reader alle paar Tage mal zu durchfliegen und somit halbwegs auf dem aktuellen Stand der Dinge zu sein, habe ich für die Pflege dieses blogs, seitdem ich arbeitslos bin, einfach keine Zeit mehr, oder zumindest viel weniger, als zu Zeiten der nicht lange währenden Lohnarbeit, in denen ich ja die Vernachlässigung bereits angekündigt hatte. Dazu kam wieder ein Umzug in eine andere Stadt, diesmal fatalerweise ins Flachland. Daher hat sich auch das sportliche Betätigungsfeld ein wenig geändert. Mit Schrecken muss ich feststellen, dass Triathlon eine ähnlich zeitintensive Sportart ist wie Bergsteigen. Und auch wenn sich thematisch zwischenzeitlich zudem noch andere Baustellen aufgetan haben – z.B. neben der Suche nach so etwas wie Heimat auch die Suche nach einem adäquaten Begriff von Heimat und eines adäquaten Verständnis von Zeit und Geschichte – so heißt das noch nicht, dass der blog deshalb gleich verkümmern wird. Zu interessant und ergiebig ist das Thema nach wie vor.

Vielleicht ist es ja nunmehr Zeit für eine kleine Zwischenbilanz der aktuellen alpinistischen Saison, die im Himalaya wie schon im Jahr zuvor katastrophisch geprägt ist, wenngleich diesmal auf andere Weise.

Es begann mit dem beinahe tödlichen Angriff von Fixseile verlegenden Sherpas am Everest auf die Seilschaft von Ueli Steck und Simone Moro, alle Welt berichtete.

Im Juni folgte ein Terroranschlag von Taliban auf das Nanga Parbat-Basislager, bei dem 11 Bergsteiger ermordet wurden. Der Angriff sei “die Rache für die Tötung eines Taliban-Führers durch eine Drohne im Mai”, wird ein Sprecher der Gruppierung Jundullah bei SPIEGEL online zitiert.

Ganz lesenswert hierzu ist ein Interview des Münchner Merkur mit dem Bergführer und Extrembergsteiger Luis Stitzinger. Der Bergtourismus habe v.a. den vom Tourimus abhängigen Menschen, die in der Region des Karakorum leben geschadet. Er berichtet auch über den bereits erwähnten Zwischenfall zwischen Steck/Moro und einiges Sherpas, beschreibt die Lage für die Sherpas am Everest als oftmals frustrierend, da sie großteils bemerkenswerte Leistungen vollbringen, aber in Status und Bezahlung hinter den Profis zurückstehen, sodass durchaus Unzufriedenheit und Frust aufkommen könne, gleichwohl das Verhältnis bisher immer weitgehend entspannt gewesen sein soll.

Einige Todesfälle im Karakorum gab es am Gasherbrum I und am Broad Peak, wo 3 iranische Bergsteiger verschollen sind. Über die “traurige Sommer-Bilanz” berichtete auch abenteuer sport.

Outdoor-Trend ungebrochen

Der Outdoor-Trend und der Strom in die Berge hält an. Im Deutschen Alpenverein wurde im Juli das millionste Mitglied begrüßt. Auch der Österreichische Alpenverein hat mit über 450.000 Mitgliedern so viele, wie noch nie zuvor. Dieser hat vor kurzem mit Almdudler ein Partnerschafts-Abkommen zum Schutz der Alpen unterzeichnet. Er sehe es laut climbing.de seit über 150 Jahren als seine Verpflichtung, “die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt zu erhalten”. Ob der Verein durch seine Massenorientierung nicht genau des Gegenteil bewirkt hat, möchte ich als Spekulation im Raum stehen lassen. In jedem Fall fungiert er, ähnlich den Gewerkschaften, als sozialpartnerschaftliche Institution zur Integration der Gesellschaft und der Zerstreuung und Befriedung ihrer Mitglieder. Roger Behrens spricht in einem Artikel der aktuellen jungle world in anderem Zusammenhang, aber in ebendiesem Sinne von der »Diffusion des Politischen einerseits in Verwaltung und Versachlichung, andererseits – vor allem was die “Werte” angeht – ins Lebensweltliche, in common sense und in Irrationalismen wie Religion und Sekten aller Art«.

sommerloch

Sommerloch. Wer da wohl drinne steckt?

In diesem Zusammenhang ist vielleicht noch erwähnenswert, dass mir im Laufe der erten Monate des Jahres in deutschen Städten erstmalig Intersport “ADVENTURE” Filialen aufgefallen sind, die offenbar der marktstarken Konkurrenz von globetrotter hinterherziehen. Kältekammern und Kanubecken, wie man sie in letzteren findet, habe ich dort aber noch nicht gesehen.

Passend heißt es in einem der unvermeidlichen Artikel von fragwürdigem Sinn auf climbing.de:

»Outdoor ist heute ein gesellschaftlicher Trend. Rausgehen, die Natur genießen eine Alternative zum stressigen Alltag. Outdoor-Bekleidung ist angesagt, vermittelt den Traum von Freiheit und dient als Imageträger. Funktionsjacken werden sogar von Menschen getragen, die beim Regen immer noch einen Regenschirm nehmen und die Zeit ihres Lebens nie ein Zelt von innen sehen werden. Oudoor ist Style.«

In diesem Sinne verschlägt es mich auch erst einmal wieder in den outdoor-Urlaub, und zwar wieder einmal nach Tirol. Und da bereits schlechtes Wetter angekündigt ist, werde ich vorsorglich schon mal einiges an Literatur einpacken, darunter endlich Wagner, Max Frisch und Robert Steiner. Über die Ergebnisse wird man hier demnächst lesen können.

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