Das Comeback? Ueli Steck.

Vielleicht ist es übertrieben, nach so kurzer Zeit schon von einem Comeback zu sprechen. Ueli Steck hatte sich nach dem Clash mit den Sherpas am Everest eine Auszeit genommen, um in sich zu gehen. Das hat er nun offenbar getan und es ist ihm ein neuer Coup gelungen und zwar das, wofür er bekannt ist – eine Speed-Begehung. Diesmal: Der Peuterey Integral!

“Speed”. Als ich das erste Mal von der Rekordzeit der Eiger-Nordwand gehört hatte, dachte ich mir wie so viele andere auch: “Was soll das?” Bald hörte und las ich auch von dem Menschen, der den Rekord aufgestellt hatte. Ueli Steck. Ich sah mir seine Videos auf youtube an. Da rennt einer die Eiger Nordwand hoch, lässt mit Bildern, für die das Wort spektakulär fast noch eine Untertreibung ist, Werbe-Videos für einen Schweizer Messer-Hersteller drehen. Und wieder die Frage: “Was soll das?”. Ich beschäftigte mich also näher mit ihm, las sein Buch “SPEED” und was er dort von sich gibt klingt vernünftig, ja er wurde mir sogar immer sympathischer. Natürlich weiß er sich geschickt zu vermarkten. Aber er hat eben auch die richtige Einstellung. Die eines Sportlers, der ehrgeizig seine Ziele verfolgt, aber auf dem Weg hoch hinaus immer die Bodenhaftung bewahrt, so war mein Eindruck. Beispielhaft für Steck ist dieser Werbe-Film.

Peuterey-Grat

Da geht’s hinauf: der Peuterey-Grat, Mont Blanc.

Panorama-Redakteurin Christine Kopp meint über Ueli: »Er lebt nicht nur wie ein Athlet, er ordnet seinen bergsteigerischen Zielen sein ganzes Leben unter. Damit bringt er die Einstellung des Spitzensportlers mit, die im Extrembergsteigen (noch) nicht sehr verbreitet ist oder über die zumindest nicht gerne offen gesprochen wird. Zu oft wird das Bergsteigen immer noch mystifiziert als Superhelden-Spiel; das große Publikum betrachtet es ungern als Sport und ist sich oft des für Höchstleistungen notwendigen Aufwands nicht bewusst: Bergsteigen auf dem Niveau, wie es Ueli Steck betreibt, verlangt nicht nur hervorragende technische, koordinative und mentale Fähigkeiten, sondern auch eine perfekte körperliche Vorbereitung, die naturgemäß sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.« (1)

Und dabei ist Steck einer, dem man die Freude an den Bergen und den Enthusiasmus leicht anmerkt. Man kann wohl sagen: Ueli Steck macht einfach Spaß!

Tiefschlag im Himalaya

Der Start nun im Himalaya schien zu gelingen, bis dann im Mai ein Streit erschreckenden und bis dato unbekannten Ausmaßes die alpinistische Welt überraschte. Dabei sei es nach einem Disput mit einigen Sherpas am Mount Everest wohl auch um Leben und Tod gegangen.

Steck war davon offenbar so mitgenommen, dass er eine Auszeit brauchte. Mehr als verständlich. Diese Auszeit beendete er jetzt mit einem Paukenschlag, auch wenn Steck versucht, ihn nicht als solchen zu verkaufen – ob er es schafft, sei erst einmal dahingestellt.

Meister der Inszenierung

Der Peuterey-Grat ist wahrscheinlich die längste zusammenhängende Route der Alpen, ein ernsthaftes Unternehmen mit Klettereien im 6. Grad und etwa 1000m Abseilen – zu überwindende Gesamthöhe 4500m. Stecks Beschreibung auf seiner Homepage lässt diese Ernsthaftigkeit nur mehr erahnen, gleichwohl er darin ja die hard facts zu Beginn schon präsentiert.

The »Swiss Machine«: Ueli Steck

The »Swiss Machine«: Ueli Steck
Quelle: youtube

Auch wenn man etwaiges vermuten könnte: Böse, wer hier Überheblichkeit unterstellt, wenn Steck im Duktus des Sommerfrischlers schreibt: »Mit einem einem kleinen Lachen auf dem den Lippen schlafe ich ein!
Ich hatte einen super Tag!«

Ein Paukenschlag war das schon, trotz allen rhetorischen Understatements. Und zwar auch einer der Selbst-Inszenierung. Was bringt nun aber einen Menschen nach einer solchen krisenhaften und schockartigen Situation wie der, in die Steck am Everest zusammen mit Simone Moro geraten war, zu dem Bedürfnis sich von neuem so sehr unter Beweis zu stellen wie er es jetzt mit seiner erneuten Speed-Begehung einer schwierigen Alpen-Route, des Peuterey Grates, getan hat? Hatte er doch als »The Swiss Machine« schon jetzt einen Ruf erlangt, der ihm nicht so schnell wieder zu nehmen sein würde (es sei denn durch nachgewiesenes Doping, das es ja im Bergsport ohnehin scheinbar gar nicht zu geben scheint). Natürlich wird auch der Druck durch die Sponsoren eine Rolle gespielt haben. Was aber in der Öffentlichkeit eher wenig beachtet wird, da es schlicht nicht bekannt ist: Im Alpinismus, zumal im professionellen, ist es schwer einen Punkt zu finden, der einen Abschluss bildet, an dem man einfach zufrieden sein und aufhören kann. Für viele gibt es kein Ende und für viele ist erst der Tod das Ende. Steck formulierte es in Bezug auf die Eiger-Speed-Begehung so:

»Mit diesem vollendeten Projekt öffnen sich neue Türen. Ich sehe viele Möglichkeiten auf mich zukommen.«

Jeder erreichte Gipfel ist der Anfang eines neuen, noch nicht erreichten. Sobald man oben steht, realisiert man, was hinter dem Berg komt, es öffnet sich ein weiterer Horizont.« (2)

Oder mit anderen Worten Walter Bonatti:

»Wenn du auf einen Gipfel kommst, siehst du hinter den Berg, und dort ist alles noch viel größer als vor dem Berg.« (3)

(1) Christine Kopp: „Mit Geduld und Tempo zum Erfolg“, in: Panorama 3/2009

(2) Ueli Steck, SPEED, Malik Verlag, 4. Aufl. 2012, S. 60

(3) ebd. S. 238

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