Messners Museum in Schloss Firmian. Review

P1010273_klVor kurzem hatte ich das Vergnügen das Messner Mountain Museum in Schloss Sigmundskron (Firmian) zu besuchen. Reinhold Messner ist fast zeitgleich auch 70 Jahre alt geworden. Gratulation dazu! Messners Errungenschaften im Alpinismus und seine Verdienste um ihn sind ungezählt und dass er es soweit geschafft hat, war war nur durch Glück und Fertigkeit zugleich nöglich. Seine Verdienste für Südtirol stehen jenen kaum nach. Dennoch ist an dieser Stelle Gelegenheit für einen Verriss – denn geschenkt wird hier nichts. Laut Selbstauskunft soll es in seinem zentralen Museum auf der Schlossruine Sigmundskron, die er durch Sanierung und Bau vor dem Verfall gerettet hat, um das Verhältnis Mensch Berg gehen. Jedoch ist das Museum in erster Linie eine Sammlung von Kunstschätzen, die Messner auf seinen diversen Feldzügen (oder vielleicht besser: Bergzüge?) im Himalaya erbeutet hat, hauptsächlich Buddha-Statuen, seinen Lieblingszitaten von Bergsteigern und anderen Persönlichkeiten, die sich einem an scheinbar jedem freien Ort aufdrängen, sowie desweiteren, Gemälden und kleineren Installationen, wobei letztere den einzig sehenswerten Teil des Museums bilden. Hier und da noch ein Bisschen Geschichte, fertig ist der Lack. Ein Konzept erschließt sich ohne erläuternde Literatur jedenfalls nicht, eine Botschaft schon eher.Moral_klein

Zwischen Himmel und Bodensatz – persönliche Höhenflüge und geistige Tiefflüge

Auf dem Outdoor-Blog des Schweizer Tagesanzeiger wurde vor kurzem die Frage aufgeworfen, ob Alpinisten an Geltungsdrang litten. Dieser Eindruck muss einem beim Besuch des Museums zwangsläufig entstehen. Denn Messner inszeniert hier vor allem seine bewegte Lebensgeschichte, bzw.: sich selbst. Und damit arbeitet er an seinem eigenen Personenkult. Darüberhinaus wird bald offenbar, dass er in diesem Museum vor allem seine ganz eigene Sicht auf die Dinge (die Berge) vermitteln will. Konkret heißt das, dass hier seiner Verachtung der Moderne Ausdruck verliehen wird. Die wilde Ansammlung von Zitaten, die man getrost als eine ganz eigenartige Form der Geschichtsklitterung bezeichnen kann, geht soweit, dass einzelne Sätze oder gar nur Satzfragmente, komplett aus dem Zusammenhang gerissen, in knappen Textversatzstücken zu völlig neuen Kontexten arrangiert – oder besser: zusammengeschustert – werden, um auszudrücken, was Messner schwer auf den Magen schlägt, wobei auf logische Konsistenz wenig bis keinen Wert gelegt wird. So steht dann Wilhelm v. Humboldt neben Paul Watzlawick neben Ernst Jünger. Ein Beispiel aus einem Schaukasten etwa, in dem verschiedene Spielarten des Alpinismus beleuchtet werden, sagt aus:Schaukasten Alpinismus

Auch das Bergsteigen scheint an den Konsum verloren zu gehen. Pistenaufstiege, ob in der Vertikalen oder zu den Achttausender-Gipfeln, sind inzwischen im Reisebüro buchbar: Im Gänsemarsch „fit for fun“. Allerdings: „Das Wesen des Menschen wird sich erst bewusst in Grenzsituationen.“ (Karl Jaspers). Die wirklichen Könner also beginnen wo der Spaß aufhört. Denn „die Einsamkeit ist der einzige unbestechliche Richter.“ (N.G. Dávila)

Ein Schloss voller Schmollecken

Im ganzen Museum geht es tatsächlich irgendwie um das Verhältnis Mensch <-> Berg. Aber vor allem geht es gegen das, was Messner Pistenalpinismus, Prestigegipfel, Modeberge usw. nennt. Dabei hat er es leider versäumt Gründe dafür zu liefern, warum sein eigener Anspruch an den Ort bzw. den Raum “Berg” über den Ansprüchen anderer steht. Wieso soll Spitzenalpinismus besser, edler oder wertvoller sein, als der sogenannte Pistenalpinismus? Immerhin wird bei Letzterem einer Vielzahl von Menschen eine sonst undenkbare Erfahrung ermöglicht. Das selbe Prinzip ist schließlich gültig für alle technischen Erleichterungen des Lebens, gleichwohl klar ist, dass nicht alle technischen Möglichkeiten ein Segen für die Menschen sind. Und was spricht dagegen, wenn die Mehrheit der AlpenbesucherInnen nunmal Skifahren will, und zwar auf einer Skipiste? About Life Es wäre notwendig gewesen, sich auch einmal die Beweggründe anzuschauen, mit denen Menschen in die Berge streben. Dann würde man nämlich feststellen, dass sich Bedürfnisse auch verselbständigen und dass sie eine ökonomische Funktion haben. Es ist einerseits zu begrüßen, Wildnis und Natur vor dem Zugriff der spät- bzw. postmodernen Subjekte zu schützen, sofern man die Frage geklärt hat, von welcher Bedeutung jene Natur und Wildnis sind, wenn nicht für diese Subjekte selbst. Andererseits wird, wie bereits ganz oben zu lesen ist, Natur als heilsamer Gegensatz zur Gesellschaft selbst nur verschachert.

Und am Ende: Kaufen Kaufen Kaufen!

Verschachert wird in seinem Museum auch kräftig. Der zugehörige Museums-Shop ist ein wahrer Höhepunkt an Absurdität. Neben seinen geschätzt hundert Büchern werden Buddha-Figuren, T-Shirts, Gebetsfahnen sowie Reinhold Messner-Parfum und -Körperlotion verkauft. Am Ende des Besuchs bleiben also Fragen, darunter nicht zuletzt: 9€ Eintritt – wofür eigentlich? Achso, sicher für die sehr kostspielige Restauration der Burganlage und den Bau neuer Museen… À propos: Überdies scheint Messner kein Problem damit zu haben, seine Museen entgegen seiner ständigen Lamentationen über den Pistenalpinismus auch auf Berge hinauf zu bauen. Bald wird sein sechstes Mountain Museum eröffnen – auf dem 2275m hohen Skiberg Kronplatz bei Bruneck, das zweite seiner Museen auf einem Berggipfel, neben Monte Rite. Der Termin für die Eröffnung wurde bereits verschoben, die Baustelle auf dem Berg ist aber eine Augenweide für alle Bergliebhaber. Ganz zum Schluss noch ein TV-Tipp: Anlässlich seines 70. Geburtstages gab es bei servus tv ein überaus sehenswertes Bergwelten Spezial über Messner.

MMM Corones

Bau des neuen Museums auf dem Kronplatz. Foto: mmmcorones.com

MMM Corones Neubau

Foto: mmmcorones.com

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