“If you don’t want it to keep going, you’ve done.” Interview with Steph Davis

 At the International Mountain Summit 2014 I had the opportunity to have an interview with Steph Davis, US American Climber and BASE Jumper, one of the bright lights of female alpinism. At the IMS she gave an awe-inspiring talk about her life and her career. She was the first woman to climb Salathé Wall on El Capitan, free-soloed Castleton Tower North Face, Utah (probably first female free-solo in 5.11b), was the first woman to summit Torre Egger and the first American woman to summit Fitzroy, both in Patagonia. She published books which deal with problems she had to struggle with in her career such as overcoming fear in climbing and base-jumping as well as emotional set-backs like the death of her former partner. We talked about that and aspects of her strong personality as well as about media and literature.

steph davis

At the IMS, you participated in a discussion about the role of media and publicity in alpinism and climbing. What role do discussions like those play in your own activities? Are you interested or rather far away from that?

Well, the media is how I make my living. And so I find it a very positive force. If I had a lot of money by myself I probably wouldn’t do anything with the media. But I don’t have, so it’s important in my job which is partly interacting, creating media, to create something, and to share. I think it’s a powerful force and you can either be like a victim and be afraid of it or you can try to learn and be a part of it and understand how to work with it. And as a climber the only value that you could be paid for is to create something or to give something back. So that’s why we need the media and we have to work with it and create things.

You also said you like social media, too, for creating community. Can you explain that? What do you mean by community? Continue reading

Interview with Ueli Steck

As promised, here is the English translation of the interview I led with Ueli Steck one year ago at the IMS in Brixen. It’s the translation of the shorter version as it appeared in ALPIN. At first, I talked with him about an incident at Mount Everest, in which he was violently attacked by sherpas in an angry dispute.

After the incident at Mount Everest you departed immediately. How did you continue after the return?

It was all just too much! You have to imagine: Journalists knock at your door at eight in the morning, demanding an interview. But I am not keen on talking with them. They are just waiting for a chance to criticize you. I seriously considered to jack it all in, to go climbing only for myself. Period.

On your website you expressed your disappointment about the happenings at Everest. How has that incident changed you?

It has changed all my life. It’s hard for me since, to get involved with people. A lot of confidence is lost and will not come back very soon. The entire mechanism of the media that started afterwards, I am so full with that. I will never forget that and I cannot undo that. But now it has happened and I have to deal with it. Continue reading

IMS 2014 – Immenses Marketing Spektakel #6

Die 6. Ausgabe des innerhalb der letzten Jahre immens gewachsenen Marketing- und Medienspektakels des “International Mountain Summit” ist Anfang dieser Woche in Brixen zu Ende gegangen. Es gab wieder viele spannende Vorträge und Diskussionen. Hervorzuheben ist neben Veranstaltungen zu Doping im Bergsport und der Diskussion um Alpinismus und Publicity in der diesjährigen Ausgabe etwa ein Symposium mit dem Titel “Recht auf Berge”, in dem der Zugang zu den Bergen für Behinderte erörtert wurde.

Berge für alle? Recht auf Berge?

Erziehungswissenschaftler Dr. Sascha Plangger von der Uni Innsbruck sah in diesem Bereich v.a. Probleme bei der Kommunikation mit Behinderten. Viele Außenstehende würden Betroffenen vor allem mit Mitleid begegnen. Außerdem werde in den Medien sehr oft sensationslustig über Behinderte berichtet, die in den Bergen unterwegs sind. Dabei habe diese Darstellung nichts mit der Realität zu tun. Wichtig sei es stattdessen vor allem, den Einzelnen zu unterstützen und in seiner Freiheit und Teilhabe zu fördern.

Die in der Podiumsdiskussion aufgekommene Frage an Martin Telser, ob es von Seiten der Behindertenverbände eine Forderung oder den Wunsch nach einem Recht auf Zugänglichkeit der Berge für alle gibt, stellte sich für diesen gar nicht erst. Für Telser gibt es das Grundrecht auf Zugänglichkeit schon, nämlich als gesetzlich verankertes und als nur noch durch technische Verbesserungen zu erfüllendes. Das Potential für Verbesserungen sah er allerdings als vorhanden an. Auch der geladene Vertreter der Landesregierung meint, der “status quo” wäre diesbezgl. noch zu erreichen. Das Fazit: es sollte keine Scheu davor geben, auch als Behinderter in und auf die Berge zu gehen oder einen Anspruch darauf geltend zu machen. Außerdem solle man sich daran orientieren, wo entweder möglichst weitgehende freie Zugänglichkeit der Berge oder entsprechende Alternativen vorhanden seien.

IMS 2014 Kongress "Berge für alle"

IMS 2014 Kongress “Berge für alle” © Jürgen Kössler

Die Dachmarke Südtirol wirbt nicht explizit um Behinderte als Zielgruppe, da dies nicht notwendig sei. Ziel müsse eher sein, dass Interessierte bei ihrer Recherche, wie es der Marketing-Vertreter nannte: “Suchmaschinen-technisch” leichter auf Südtirol stoßen.

Wie ehrlich ist der Bergsport? Symposium zu Doping und Medikamentenmissbrauch

In der IMS Pressemitteilung hieß es hierzu: Continue reading

»Irgendwann geht das schief« – Interview mit Ueli Steck

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich das Glück, Ueli Steck für ein Interview, das in ALPIN 3/2014 erschienen ist, zu seinen Erlebnissen im Himalaya befragen zu können. Damals war er gerade frisch von seiner Solo-Begehung der Annapurna Südwand (in 28 Stunden) zurück gekommen. Ein paar Wochen zuvor hatte er schon  in einer fantastischen Zeit von 16 Stunden den Mont Blanc von Courmayeur aus Richtung Chamonix über den kompletten Peuterey-Grat (“Peuterey Intégral”) überschritten. Welchen Stellenwert diese Begehung in seiner Karriere hatte und was sie für seine Zukunft bedeuten, über das Medienecho nach dem Sherpa-Streit am Everest und die Bedeutung des großen Risikos bei seinen Touren und sein zukünftiger Umgang damit, darüber gab er Auskunft, ebenso wie über den Druck von Sponsoren.

 

Im Mai 2013 gab es diesen Vorfall am Everest, bei dem einige aufgebrachte Sherpas dich und deinen Seilpartner Simone Moro körperlich angegriffen und mit dem Tod bedroht haben. In den Medien wurde das kontrovers diskutiert und du wurdest sehr kritisiert.

Einige Wochen später hast du den kompletten Peuterey-Grat am Mont Blanc (Peuterey Integral) bestiegen, auch in neuer Rekord-Zeit. Auf deiner Homepage war die Beschreibung eher witzig gehalten und von understatement geprägt. Aber ein kleiner Paukenschlag war diese Begehung ja schon. Wolltest du damit auch zeigen, dass es dich noch gibt und dass du dich nicht unterkriegen lässt von den schlechten Erfahrungen und von der negativen Presse, die nach dem Everest-Vorfall herrschte?

 

Nein, absolut nicht, ich war da einfach Bergsteigen und hatte einen fantastischen Tag.Ueli Steck

Außerdem wird in letzter Zeit alles auf diese Rekordzeiten reduziert!

Aber ob man da 16 Stunden oder 17 Stunden braucht ändert eigentlich nicht viel. Es hängt ja immer auch von den Bedingungen ab. Deshalb wollte ich nicht, dass es wieder so um diese Rekordjagd geht und habe es ein bisschen runtergespielt.

Es war für mich auch nicht entscheidend, diesen Rekord zu machen. Für mich war das wichtigste: in Courmayeur starten, über den Peuterey und wieder auf der anderen Seite ins Tal runter – wenn’s geht in einem Tag. Das ist großartig und ich hatte einen der besten Tage in meinem Leben.

Aber ich kann dir auch ehrlich sagen: nach dem Everest hatte ich keine Lust mehr Continue reading

Lawine unter Ueli Steck – Im Himalya wieder dem Tode entronnen? Zwei Bergsteiger verschollen

Ueli Steck war vor kurzem wieder im Himalaya unterwegs. Und wieder ist er – wie schon 2013 beim Zusammenstoß  mit wütenden Sherpas – dabei offenbar nicht sehr weit am Tode vorbei geschrammt, wie er auf seiner Homepage berichtete und wenig später auch in einem Interview der Schweizer Sonntagszeitung mitteilte:

Ich hielt mich mit Bergsteigerkollege Benedikt Böhm weiter oben am Berg auf, als sich plötzlich ein Schneebrett löste und die drei Leute unter uns, Sebastian Haag, Andrea Zambaldi und Martin Maier mitriss. Das Schneebrett löste sich fast geräuschlos. Es war gespenstisch.

Das Ziel der Expedition, an der Steck nicht teilnahm, war es, innerhalb von sieben Tagen die beiden Achttausender Shisha Pangma und Cho Oyu zu besteigen, auf Skiern abzufahren und die dazwischen liegenden 170 Kilometer mit dem Mountainbike zurückzulegen.

Steck meinte, es sei zugleich ein gutes, aber auch komisches Gefühl, zwar der Lawine entgangen zu sein. Aber zwei Kollegen seien plötzlich nicht mehr da. Bericht über die Lawine heißt es auf seiner Homepage:

»Maier, der als einziger den Absturz überlebte, erreichte noch in der Nacht das Lager 3 aus eigenen Kräften. Am 25.09.2014 wurde er von einem Sherpa Rettungsteam von dort geborgen. Haag und Zambaldi bleiben weiterhin am Berg vermisst.«

Vor einem Jahr gestand mir Ueli Steck in einem Interview noch persönlich, dass man Alpinismus auf einer Höhe, wie er ihn betreibt, nicht ewig weiterführen könne:

Wenn ich da weitermache, dann geht das irgendwann schief.

Weshalb er sich auch überlegen müsse, wie das weitergeht und ob er sich nicht selbst sogar etwas mehr schützen müsse.

“Glück gehabt”, kann man also wohl feststellen, wenn Steck so unversehrt davongekommen ist. Ob er seine Speed-Besteigung des Shisha Pangma wieder versuchen wird, bleibt noch offen.

Das ganze Interview, das in ALPIN 4/2014 erschienen ist, gibt es morgen hier zu lesen.

Außerdem folgen in den nächsten Tagen – wie die letzten beiden Jahre auch – Berichte vom International Mountain Summit in Brixen.

Messners Museum in Schloss Firmian. Review

P1010273_klVor kurzem hatte ich das Vergnügen das Messner Mountain Museum in Schloss Sigmundskron (Firmian) zu besuchen. Reinhold Messner ist fast zeitgleich auch 70 Jahre alt geworden. Gratulation dazu! Messners Errungenschaften im Alpinismus und seine Verdienste um ihn sind ungezählt und dass er es soweit geschafft hat, war war nur durch Glück und Fertigkeit zugleich nöglich. Seine Verdienste für Südtirol stehen jenen kaum nach. Dennoch ist an dieser Stelle Gelegenheit für einen Verriss – denn geschenkt wird hier nichts. Laut Selbstauskunft soll es in seinem zentralen Museum auf der Schlossruine Sigmundskron, die er durch Sanierung und Bau vor dem Verfall gerettet hat, um das Verhältnis Mensch Berg gehen. Jedoch ist das Museum in erster Linie eine Sammlung von Kunstschätzen, die Messner auf seinen diversen Feldzügen (oder vielleicht besser: Bergzüge?) im Himalaya erbeutet hat, hauptsächlich Buddha-Statuen, seinen Lieblingszitaten von Bergsteigern und anderen Persönlichkeiten, die sich einem an scheinbar jedem freien Ort aufdrängen, sowie desweiteren, Gemälden und kleineren Installationen, wobei letztere den einzig sehenswerten Teil des Museums bilden. Hier und da noch ein Bisschen Geschichte, fertig ist der Lack. Ein Konzept erschließt sich ohne erläuternde Literatur jedenfalls nicht, eine Botschaft schon eher.Moral_klein Continue reading